Geschrieben von Theresa Nhật Lai Ngô am Mittwoch, 21. August 2024
Publiziert am 18. Dezember 2024
Ich müsste erst einmal berichten, wie ich überhaupt in die Wüste geraten bin. An einen Ort ohne Leben, ohne Wasser, ohne Aussicht auf Wachstum. Dürre und Leere. Ja, wie bin ich da reingeraten? Wir schreiben das Jahr 2023. Frische zwei Jahre bekehrt, ein Jahr getauft. Da dachte ich, ich hätte den Dreh schon voll raus. Meine Beziehung mit Gott war gut, Er beschenkte mich reichlich mit Gnaden, unglaublichen Erlebnissen, Lichtmomenten. Alles unverdient und alles etwas anfällig, um in die Verführung zu geraten, zu denken, dass ich alles schon gecheckt habe und auf bestem Wege bin. Genau dann ergreift der Teufel nämlich seine Chance und greift an. Ich war ja auch auf einem guten Weg, aber ich wurde unbewusst etwas überheblich und kannte die Gefahren noch nicht.
So startete meine erste schmerzhafte Lektion und mein Einzug in die Wüste. Der Angriffspunkt: Jesus. Ich hatte meine Mühen, mit Gott Vater zu sprechen, alles ging über Jesus. Jesus durfte ich sehen, Er ist die Antwort auf alle meine Fragen, Er ist mein Erlöser und Retter aus einem tristen, sinnlosen Leben. Ich dachte ich hätte mit ihm eine gute Beziehung, weil wir schon soviel gemeinsam erlebt hatten in den letzten zwei Jahren. Er rettete mich mehrmals bereits aus Situationen, wo ich dachte, dass ich sterben würde. Klar war der Heilige Geist auch immer beteiligt und Gott Vater. Sie sind ja eins. Und trotzdem fiel es mir viel leichter, mich an Jesus zu wenden. Eigentlich logisch, er ist ja auch ein Mensch wie ich und wirkt dadurch näher als die anderen beiden Personen des dreifaltigen Gottes. Meine Gottesbeziehung war hauptsächlich mit Jesus. Ich glaube, Gott hat es für uns Menschen so vorgesehen, ein erleichterter Einstieg in das Geheimnis Gottes und gleichzeitig der Eckstein, an dem sich alle anstossen (vgl. 1. Petrusbrief 2, 6-8).
Jedenfalls war und ist Jesus der Mittelpunkt meines Lebens , der mich zum Vater führt. (Mittlerweile ist Maria hinzugekommen, die mir hilft, ihr und somit Jesus ähnlicher zu werden.) Dann kommt hinzu, dass Gott meine Lebensgeschichte so geschrieben hat, dass Er Jesus durch Ereignisse und Tatsachen in mein Leben eingewoben hatte, ohne dass ich etwas damit zu tun hatte oder es mir zunächst bewusst war.
Himmlischer Vater, lass die Menschen erfahren, welche Wunder du in meinem Leben von Anfang an gewirkt hast, wie du mit jedem einzelnen von uns eine einzigartige Liebesgeschichte schreiben möchtest und das auch tust.
Folgend erzähle ich von zwei prägenden Tatsachen aus meiner Kindheit, die mich bereits vor meiner Geburt mit Jesus verbunden haben: Das Loch im Herz und der Name.
Ich habe bereits erzählt, dass meine erste Begegnung mit Jesus im Auto auf der A5 geschah. Wieso im Auto? Wieso nicht in der Kirche oder in der Natur? Wieso es bei mir das Auto war, zeigte sich nur wenige Monate nach meiner Bekehrung, als ich mich endlich traute, meinen Eltern von diesem Erlebnis zu erzählen…
Mit Jesus ist alles anders...
Es war der erste Besuch in Deutschland nach der Jesus-Begegnung im Auto, die mein ganzes Leben in einem kurzen Moment komplett verändert hat. Meine Eltern machten sich sorgen, weil ich jeden Tag morgens aus dem Haus ging und die heilige Messe besuchte. Sie sagten: ”Die Christen müssen doch nur am Sonntag zum Gottesdienst. Warum gehst du jeden Tag?” Ich antwortete voller Begeisterung(, die für viele meiner Mitmenschen wahrscheinlich zu viel war. Ich bitte um Verzeihung bei allen, die ich in der Anfangszeit meiner Bekehrung mit meiner Überschwänglichkeit überrumpelt habe.): “Ich muss nicht gehen, weil mich jemand zwingt. Ich will gehen. Es gibt nichts Besseres auf der Welt!” Sie verstanden verständlicherweise die Welt nicht mehr. Ihre Tochter, die vorher normal schien, gern reiste, Sport machte, musizierte, eben solche Dinge die jeder gern macht, diese Tochter interessiert sich auf einmal nur noch für diesen Jesus. (Ich reise immer noch gerne, mache immer noch, wenn auch zu wenig, Sport und liebe die Musik. Diese Dinge finde ich immer noch toll. In dem Sinn hat sich nichts geändert. Der einzige Unterschied ist: Jesus. Jesus ist viel viel viel toller.) Jedenfalls spürte ich eine gewisse Angst, dass meine Eltern dachten, ich wäre irgendwie manipuliert worden oder im besten Fall auf den Kopf gefallen.
Ich muss es ihnen erzählen...
Als mir während der Rückfahrt vom Besuch meiner Eltern dies alles durch den Kopf ging, beschloss ich, dass ich meinen Eltern diese Geschichte mit Jesus im Auto erzählen musste. Ich meinte, sie hielten mich sowieso schon für verrückt, sodass es nicht schlimmer werden konnte. Im Gegenteil, wenn sie wüssten, dass das Schlüsselerlebnis sich im Auto abspielte, wo ich allein war, dann würden sie verstehen, dass es nichts Gefährliches von außen war, sondern meine eigene freie Entscheidung und Überzeugung.
Der Tag war gekommen, als ich meine Mutter anrief, um ihr die Geschichte zu erzählen. Ich betete viel vorher und saß auf einer Wiese unterm Kreuz. Ich brauchte jede Unterstützung, die ich haben konnte, denn ich war dabei den Moment meines Lebens mit meinen Eltern zu teilen, und hatte keine Ahnung wie sie reagieren würden. Ich machte mich also auf alles gefasst.
Die Autofahrt des Lebens. Und noch eine.
Also erzählte ich wie es kam. Vom Lobpreis im Auto, vom Stau, von der Wolke, vom Engel, vom strahlenden Licht im Himmel, von der überwältigenden Gegenwart Jesu. Dann war Stille. Meine Mutter sagte daraufhin: “Ich habe auch so etwas im Auto erlebt. Ich habe, als du klein warst, auch ein Licht im Himmel gesehen. Es war etwas Göttliches. Dein Bruder und du, ihr saßt hinten im Auto. Dein Vater ist gefahren. Ich habe für dich gebetet, als ich das Licht im Himmel sah, dass dein Loch im Herz geschlossen werden könnte ohne den ganzen Oberkörper zu öffnen. Wir sind bis nach Berlin gefahren, ins Herzzentrum, damit die Herzchirurgen den “Herzdefekt” anders operieren konnten. (Spoiler alert: Dieses Gebet wurde nicht erhört. Gott hatte einen besseren Plan mit meinem Loch im Herz.)
Überraschung:
Mit Gott ist alles anders als du denkst.
Ich hatte mich auf alle möglichen Reaktionen vorbereitet, aber nicht auf diese. Dass Gott meiner Mutter bereits knapp 30 Jahre zuvor ein Erlebnis geschenkt hatte, an dem sie sich am Tag wieder erinnern sollte, an dem ihre Tochter ihr von einem ähnlichen Erlebnis berichtet, war einfach unfassbar! Gottes Geschichten sind einzigartig, wunderbar und so detailliert. Kein Drehbuchautor der Welt kann solche Geschichten schreiben. Und es überkam mich eine unbeschreibliche Dankbarkeit. Gott liebte mich so sehr, dass Er für mich sorgte, obwohl ich Ihn nicht kannte. Er hatte von Anfang an einen Plan für meinen Weg zu Ihm, auch wenn ich nicht in einer christlichen Familie aufwuchs. Das gibt mir so viel Hoffnung für meine Familie. Denn so ist es, da bin ich überzeugt, mit jedem von uns. Mit dir und denen die du liebst, die noch nichts von Jesus wissen. Gott sorgt.
Gott schreibt mit uns seine Liebesgeschichten
Dieses Loch im Herz war ein Ankerpunkt in meiner Kindheit, um auf die Suche zu gehen und mir existentielle Fragen schon im frühen Alter zu stellen. Ich erfuhr erst kurz vor Ostern 2022, dass Jesus auch ein Loch im Herz hat. Durchbohrt und geöffnet für alle. Ein Herz aus dem Leben und Liebe unerschöpflich herausfließt. Das Loch im Herz hatte dadurch noch eine zusätzliche Dimension bekommen. Ich war dankbar, dass Gott nicht nur meine Mutter und mich, sondern auch mich mit Jesus durch dieses Loch im Herz unzertrennlich verbunden hat. Gott sei Dank.
Alles ist in Beziehung. Gott verbindet, was zusammen gehört.
Mehr als ein Rufmittel
Ich beschäftigte mich schon früh mit der Bedeutung von Namen, wenn ich so überlege. Der Name meiner Freundin Gülay, der Rosenmond, wurde auch mal Basis und Inspiration einer Zeichnung. Früher hatten wir oft mehrere Schüler mit dem gleichen Namen in der Klasse, zum Beispiel Tobias, Philipp oder Christian. Ich sah ein unterschwelliges Muster in ihren Persönlichkeiten, aber dann dachte ich, dass ich mir das wahrscheinlich nur einbildete. Nach meiner Bekehrung beschäftigte ich mich mehr mit der Bedeutung von Namen von Personen aus der Heiligen Schrift. Jesus heißt „Gott rettet“ und Abraham bedeutet “Vater der Nationen” und Isaak heißt “Er wird lachen”.
Die Bedeutung von Namen
Im Schulunterricht der 2. Klasse im September 2023, diesmal als Lehrerin, kurz vor meinem Gang in die Wüste, gab ich jedem Kind eine Erklärung seines Namens. Das Unterrichtsthema war die Schöpfung (Gott erlaubte den Menschen die Tiere zu benennen). Viele wussten nicht was ihr Name bedeutete und eine Schülerin fragte mich ganz verblüfft, als ich die Bedeutung ihres Namens erklärte: „Ist das wie Horoskop?“ Ich versuchte zu erklären, dass so wie das Wort „Wasser“ ein Name für dieses fließende Etwas ist, das wir zum Leben brauchen, so hat auch das Wort „Christian“, das ein Name ist, eine Bedeutung. Und zwar kommt es von „Christ“, was „Der Gesalbte“ heißt. Ich ergänzte, dass der Name die Person prägt oder von Gott inspiriert ist. Wir Christen beten ja „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Gottes Name hat besondere Kraft und Macht. Der Name ist etwas Besonderes, was gleichzeitig Identität ist oder über die Identität oder Berufung der Person etwas aussagt und Eigenschaften der Person hervorhebt. Er ist eben nicht nur ein Rufmittel oder ein Wort ohne tieferen Sinn.
Die Entdeckung meines Namens
Meine Eltern wählten einen ungewöhnlichen Namen für mich. Keinen Namen, der sehr verbreitet war. Da vietnamesische Namen oft aus mindestens zwei Vornamen bestehen war auch mein Name zusammengesetzt: Nhật Lai. Aber alle nannten mich mein Leben lang Lai, auch meine Eltern. Das war einfacher auszusprechen für Deutsche und auch so üblich in Vietnam, dass der letzte Vorname der Rufname ist. Meine Mutter wollte dann irgendwann in meiner Pubertät meinen Namen ändern, zumindest den ersten Teil wegstreichen „Nhật“, der übersetzt Sonne heißt und von dem die Wörter wie Sonntag “Chủ nhật” (= Chef Sonne) oder Japan, das Land der aufgehenden Sonne “Nhật Bản” gebildet wurden. Im normalen Sprachgebrauch sagen wir zu Sonne “Ông mặt trời”, Herr Gesicht-des-Himmels, also war mir die Bedeutung von Nhật erst seit Kurzem wirklich bewusst, obwohl meine Mutter früher oft sagte, dass die Sonne sehr heiß ist und ich deshalb so hitzköpfig bin. Sie wollte meinen Namen daraufhin ändern und ersetzte Nhật mit etwas anderem, ruhigerem, woran ich mich aber gerade nicht mehr erinnern kann.
Der Name ist Lebensprogramm
Meine beiden Vornamen habe ich immer getrennt betrachtet, weil die beiden Teile zusammen auch keinen Sinn ergaben. Nhật, Sonne, und Lai? Lai ist ein Adjektiv und wird einer Person zugeschrieben, die zum Beispiel von zwei verschiedenen Ländern kommt, weil die Mutter Deutsche ist und der Vater aus Vietnam. Wir bezeichnen solche Kinder als „Mischlingskinder“. Ich fühlte mich als Kind und heranwachsende Jugendliche oft so: Lai. In Vietnam war ich die Deutsche (primär durch mein Verhalten) und in Deutschland die Vietnamesin (einfach schon durch mein Erscheinungsbild). Ich dachte, Lai passt gut zu mir, weder das eine noch das andere.
Der Blick hat sich als Erwachsene gewandelt. Ich lernte beide Seiten anzunehmen. Ich war nicht mehr 20% Vietnamesin und 80% Deutsche, und ein anderes mal umgekehrt, je nachdem mit wem ich geredet oder wie ich mich gefühlt habe, sondern ich spürte und wusste, dass beide Kulturen mich bis in die tiefsten Zellen und Knochen geprägt haben und ich weder meine Herkunft, noch den Einfluss, wo ich groß geworden bin, verleugnen konnte. Ich nahm mich endlich vollständig an.
Das hieß in meiner Kalkulation: 100% Vietnamesin, 100% Deutsche. Nicht gemischt, sondern voll und ganz beides. Dieser Prozess des Annehmens war erst mit einer weiteren Entdeckung meines Namens ganz abgeschlossen…
Mit Mutter und Bruder in Vietnam vor der Auswanderung
100% Ich: Die Vervollständigung meiner Identität mit, durch und in Jesus
Die scheinbar unvereinbarenden Wörter Nhật und Lai fanden zusammen auf einmal eine tiefere Bedeutung, als ich Jesus besser kennenlernte. Verblüfft war ich, berührt und erschüttert, bis in die Tiefen meiner Seele. Nhật, die Sonne. Lai, aus verschiedenen Kulturen, Arten, Wesen, Substanzen, Naturen... Die Sonne aus zwei Naturen. Meine Güte! Jesus, du Allerheiligster: 100% Gott. 100% Mensch. Ich heiße wirklich nach dir, Jesus? Ich hatte eine unfassbare Freude, dass mein Gott mir wieder so ein unverdientes Geschenk gemacht hatte, von Geburt an, noch bevor ich Ihn kannte, rief Er mich beim Namen, und gleichzeitig überfiel mich eine Ehrfurcht, diesen Namen zu tragen. Die Dankbarkeit zeigte ich auch meinen Eltern gegenüber, die sich inspirieren haben lassen und so kreativ waren. Ohne zu wissen, was sie da taten. Denn laut ihnen war es ein purer Zufall: „Der Name klang einfach schön.“ und passte zum Namen meines sieben Jahre älteren Bruders Nhật Linh, der Sonnengeist. Ich glaube seit ich mit Gott unterwegs bin nicht mehr an Zufälle.
Gepriesen bist du geliebte allerheiligste Dreifaltigkeit, du perfekte Liebe. Gepriesen bist du Gott Vater, der du uns bereits im Schoße unserer Mutter erwählt hast. (vgl. Psalm 139) Gepriesen bist du Jesus, Sohn Gottes, der du zu allen Menschen kommst, nicht nur zu denen, die dich kennen. Gepriesen bist du Heiliger Geist, der du uns in Gemeinschaft mit dir, mit Gott, führst und uns zu Zeugen deiner Liebe machst.
Lernte ich mich besser kennen, so lernte ich Gott besser kennen. Und umgekehrt.
Jedenfalls ist das Schönste an dieser Geschichte, dass Gott uns immer nah ist und alles sorgsam für uns bereithält und vorbereitet. Seine Pädagogik für uns ist meisterhaft, vorzüglich, erhaben. Je mehr wir alle Teile an uns annehmen und uns kennen, desto mehr lernen wir Gott kennen und je mehr wir Gott kennen, desto mehr sehen wir uns wie er uns sieht und erschaffen hat: Vollkommen schön und wertvoll. Vor allem verstehen wir immer besser wie sehr er uns liebt.
Gelobt seist du, mein Gott, in alle Ewigkeit.
Der Name ist ein ständiges Ringen
Diese Entdeckung war 2023, einige Monate vor dem Einzug in die Wüste, der damit begann, dass ich die Gottheit meines geliebten Jesus anfing in Frage zu stellen, bis ich Ende 2023 so weit war, dass ich nicht mehr glaubte, dass Jesus Gott ist. Jetzt stelle man sich jemanden vor, der Christ ist und Weihnachten feiert, ohne zu glauben, dass Jesus, der Mensch gewordene Gott ist, der auf die Welt gekommen ist, um die Menschheit zu retten. Die ganze frohe Botschaft wäre einfach dahin. Ich „feierte“ Weihnachten entsprechend äußerlich mit, hatte aber innerlich nicht mehr die tiefe Freude, die im vorherigen Jahr an Weihnachten noch so übernatürlich war. Ein Desaster. Ich wusste nicht, was tun. Ich wollte glauben, konnte es aber nicht mehr. Warum? Was ist passiert? Es gab durchaus starke, unaufhörliche Angriffe von außen, die in mir Zweifel aufkeimen ließen, aber was noch wichtiger ist, ist die Tatsache, dass mein Glaube, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, nur oberflächlich war, trotz des einschlägigen Erlebnisses am Start meines Weges mit Jesus, wo er sich mir als Gott sichtbar und unsichtbar offenbarte, sich selbst mit seiner ganzen Liebe und übernatürlichem Frieden. Das zeigte mir, dass ich niemals sicher sein werde vor dem Fall und immer wachsam bleiben muss. Egal wieviele außergewöhnliche Erlebnisse und Zeichen Gott mir noch unverdient gewähren will.
Zweifel, Plagen, Misstrauen
Und dann führte mich eine kuriose Bekanntschaft aus den sozialen Medien tatsächlich so weit, dass ich alleine eine Reise nach Ägypten plante, um mich mit dieser Person zu treffen, die offensichtlich ganz andere Vorstellungen von Jesus hatte. Ich riskiere jetzt, meine Glaubwürdigkeit für den Rest dieser Geschichte aufs Spiel zu setzen, aber die Wahrheit muss gesagt werden, dass ich mir Illusionen gemacht und Filmchen in meinem Kopf gedreht habe, was und wer tatsächlich hinter dieser ägyptischen Person stand, und ich war so tief in meinem Wunschdenken drin, dass ich keine Gefahren wahrgenommen und vernünftige Schritte übergangen habe. Ich habe niemanden mehr getraut. Nicht einmal meinen engsten Freunden und Vertrauten. Ich fühlte mich als Verräterin und hatte Angst ertappt zu werden. Ich hätte schon alarmiert sein müssen, dass ich Angst hatte. Angst kommt niemals von Gott. Gott, die Liebe, vertreibt die Angst. Ich hatte Angst… Wehe jemand findet heraus, dass ich nicht mehr glaubte, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Ich war isoliert, allein, und in die Ecke getrieben. Genau da, wo mich der Teufel gern haben wollte.
Wahrheit, Gott und ich sind untrennbar verbunden. Alles oder nichts.
Wichtig ist aber für mich vor allem diese Erkenntnis: Mein stures Festhalten an einer falschen Vorstellung, an einen irdischen, egoistischen Traum, hat mich immer weiter von der Realität weg getrieben. Und weiter weg von der Realität ist weiter weg von Gott, weg von der Wahrheit, weg von Jesus, weg vom Leben. In die Wüste. Gott allein weiß, wie schmerzlich diese Einsicht für mich war, aber auch wie heilsam und reinigend. Und wie notwendig es war, um so schnell wie möglich in eine tiefere Wahrheit über mich und über Gott einzutreten.
Gottes beste Geschenke sind hart
Zum ersten Mal erfuhr ich, was Gottes Geschenke auch sein können: hart zu verdauen. Wie das Gold, das zuerst durch das Feuer muss, bevor es glänzt, so ließ Gott es zu, dass ich durch die Wüste ging, damit mein Vertrauen zu Ihm kräftige Wurzeln schlagen konnte. Ich musste durch Ängste, Gefahren, Hindernisse, Proben und Prüfungen. Alle meine Sicherheiten mussten sich auflösen. Jeder Halt sollte weggezogen werden. Damit ich mich nur noch auf Ihn verlassen konnte. Das waren die harten Gnaden, die Er mir schenkte. Alles nur aus Liebe.
Ägypten Dez 2023 – Jan 2024: Nichts ist so wie es scheint.
Das Grenzgebiet: Züchtigung, Versuchung, Prüfungen
Von Alexandria, über Kairo und dem Suez Kanal nach Sinai
Danket dem HERRN, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig. (...)
Meine Stärke und mein Lied ist der HERR;
er ist für mich zur Rettung geworden.
Schall von Jubel und Rettung in den Zelten der Gerechten:
„Die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie!“
„Die Rechte des HERRN, sie erhöht,
die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.“
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des HERRN zu verkünden.
Der HERR hat mich gezüchtigt, ja, gezüchtigt,
doch mich dem Tod nicht übergeben.
Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit,
ich will durch sie hineingehn, um dem HERRN zu danken!
Dies ist das Tor zum HERRN,
Gerechte dürfen hineingehn.
Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst,
du bist mir zur Rettung geworden.
Psalm 118
Auf der Suche nach dem König, dem Retter der Welt