Geschrieben von Theresa Nhật Lai Ngô am Sonntag, 22. Dezember 2024
Es war eine harte Zeit, aber ohne diesen Teil der Geschichte gäbe es keine Geschichte. In meiner Unvollkommenheit soll sich Gottes vollkommene Güte und Größe zeigen.
Ende Dezember 2023. Nach dem Schock der ersten Nacht saß ich am Strand von Alexandria und schrie innerlich ins weite Meer, warum Gott mir das angetan hatte (und realisierte im gleichen Moment, dass ich mir das selbst angetan hatte). Ich weinte verzweifelt und wollte einfach nur noch weg. Wieder nach Hause.
Auf der anderen Seite des Meeres lag Europa, der scheinbar sichere Hafen, mein Zufluchtsort. So nah und doch so fern. Ich fragte mich, warum Gott das alles zuließ. Warum Er mich nicht gewarnt hatte und warum Er jetzt nicht da war, um mich rauszuholen. Wahrscheinlich war ich eh nicht bereit gewesen Ihn zu hören. Jetzt wollte ich Ihn hören und Er sagte nichts. Ich wollte hier weg, aber ich wusste, dass mich diese Verzweiflung bis nach Europa verfolgen würde, wenn mein lieber Gott meinen Glauben an Ihn nicht vorher neu beleben würde.
Gott sei Dank sah ich endlich ein, dass ich stur meinem eigenen Willen gefolgt bin, und dieser mich ins Verderben geführt hatte. Es tat weh und es tat mir leid. Da saß ich nun wieder und war bereit. Mein zerknirschtes Herz würde Er nicht ignorieren (vgl. Psalm 51:19). Ich rief hinaus ins Meer: „Was willst du, Gott, was willst du, dass ich tue? Ich gebe alles wieder in Deine Hand.“ Eine leise innere Stimme gab mir den Frieden und das Gefühl, dass ich vollkommen frei war in meiner Entscheidung Ägypten sofort zu verlassen oder zu bleiben. Aber wozu sollte ich noch bleiben, außer meinen Weg nach Sinai zu finden? War das wieder nur einer meiner abenteuerlichen, nicht durchdachten, “tollen” Ideen?
Sinai ist immerhin der Ort, wo Gott sich Mose offenbart hat. Da wo Er Seine Gebote auf zwei Steintafeln mit Seinem Finger eingravierte. Ein ewiger Bund mit denen, die Seinen Willen folgen. Sollte ich es wagen selbst auf den Berg zu gehen, um meinen Unglauben dort abzulegen und ein Zeichen zu setzen, dass ich von nun an versuche in Gottes Willen, der nur Gutes im Sinn hat, zu leben? Ja, es musste sich etwas ändern. Ich wollte diesen Ort nicht noch schlimmer verlassen, als ich ihn betreten hatte. Ich wollte es wagen, vorausgesetzt Gott würde mich zwei Wochen später heil und wie geplant nach Hause zurückbringen. So wahr es Gott will. Also beschloß ich zu bleiben. Da überfiel mich wieder ein tiefer Frieden und eine innere Stimme flüsterte mir zu: “Danke für dein Vertrauen.”
Der brennende Dornbusch – Exodus (2. Buch Mose) 3:1-10
Ägypten erlebte ich auf dem ersten Blick als ein Gott verlassenes Land. Besonders in den Städten drückte eine Finsternis und Unruhe auch tagsüber auf das Gemüt, die kaum auszuhalten waren. Meine Oasen des Lichtes und des Friedens hatte ich Gott sei Dank trotzdem: bei Jesus im Tabernakel, die Eucharistie, das weite Meer und die spielenden Kinder an der Strandpromenade mit ihren Eltern. Hier war die Welt noch heil.
Dieser Ort fühlte sich sonst wie ein Boot Camp an, ein Trainingslager, wo ich vollkommen überfordert mich auf Gott verlassen musste und zusammen mit Ihm weiter wachsen und meine Muskeln des Gottvertrauens stärken durfte. In der Wüste gibt es also doch Wachstum, allerdings mit viel mehr Mühen und Anstrengungen, weil die Bedingungen für das Wachstum mehr als ungünstig, ja sogar feindlich sind. Allerdings ist auch wahr, dass eine Pflanze, die die harten Bedingungen der Wüste überlebt, viel resistenter wird.
Die Eucharistie – Oase des Lebens
So hing ich mich hartnäckig an die tägliche Eucharistie – Jesus. Meine Nahrung, meine Stärke, mein Halt. Mein Glaube an Jesus in der Eucharistie war stark, unerschütterlich. Mein Glaube an Jesus, dem Sohn Gottes, war kaum mehr vorhanden. Paradox. Aber je mehr ich mit Mohammed, diskutierte, desto mehr bestand ich darauf, dass Jesus Gott ist, auch wenn ich innerlich immer noch große Zweifel hatte.
Für die heilige Messe fuhr ich jeden Tag mit dem Taxi in die Innenstadt von Alexandria. Meistens begleitete mich Mohammed, der sowohl Schutz als auch eine Bedrohung für mich war. Mehrmals sagte er, dass der Priester am Anfang der Messe “Im Namen der Freimaurern” betete, anstelle von “Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes”. Also bat ich, dass er beim nächsten Mal mit dem Handy alles aufnehmen sollte. Ausgerechnet an dem Tag hatte der Priester wohl die richtigen Worte gewählt. Nichts mit Freimaurern. So bestand ich weiterhin darauf die heilige Messe zu besuchen.
Die täglichen Messzeiten waren mehr oder weniger konstant, verschoben sich jedoch aufgrund der geplanten, bezirksabhängigen Stromausfälle hin und wieder in die späten Nachmittagsstunden. Ich trug kein Kopftuch wie die meisten Frauen auf der Straße. In der Öffentlichkeit zeigten sich mehrheitlich Männer. Ich erkannte erst im Nachhinein, dass es fast etwas lebensmüde war kein Kopftuch zu tragen.
Kämpfen unter dem Schutzschirm Mariens
Vom Leben müde schienen mir auch viele Menschen, denen ich begegnet bin. Im Supermarkt an der Kasse, im Bus auf dem Weg zur Arbeit oder im Restaurant. Ich fühlte mich nicht wohl. Und doch war das Vertrauen in Gott da. Die enorme Schutzkraft des Rosenkranzgebetes, das Rettungsseil Mariens, war zu dieser Zeit besonders eine Zuflucht geworden. Maria war mein Schleier.
Nachts konnte ich die ersten Tage nur schlecht schlafen. Im Wohnzimmer lief durchgehend der Kaaba-Kanal. Arabische Stimmen trommelten konstant vor sich hin, während die Menschen um den schwarzen Stein wanderten. Jedes Mal, wenn ich den Fernseher ausgeschaltet habe, wurde er nach einer Weile wieder angemacht. Es erschien mir wie Folter. Noch beharrlicher betete ich ein Ave nach dem anderen bis ich endlich einschlief.
Müde Blicke und schwere Herzen. Komm, Herr, Jesus, komm.
Bündnisse, Offenbarungen & das Kommen Jesu
Ich versuchte mich mit Mohammed zu arrangieren. Er kochte, machte die Wäsche, stellte mich seiner Familie vor. Mir war klar, was er vor hatte. Ich gab ihm vom ersten Tag an zu verstehen, dass das alles ein großes Missverständnis war und es mir leid tat, aber ich weder interessiert war nach Ägypten zu ziehen noch einen Ehevertrag mit ihm zu schließen.
Ich ergriff dennoch die Gelegenheit, um ihm vom Unterschied zwischen einem Ehevertrag und einer christlichen Ehe zu erzählen. Die Ehe, die er sich vorstellte, war ein Ehevertrag und hatte nichts mit der Ehe zu tun, in der Gott als Erster im Bund im Zentrum steht. Ein Bund ist wesentlich anders als ein Vertrag, weil wir diesen mit Gott schließen und Gott seinen Teil des Bundes für immer hält. Nur wir brechen ihn immer wieder, leider. Jedenfalls ist die Ehe zwischen Mann und Frau als Abbild Gottes gedacht, die üblicherweise als Frucht ein Kind hervorbringt. Die Familie ist also ein dreifaltiges Abbild – Vater, Mutter, Kind – der göttlichen Dreifaltigkeit – Vater, Sohn, Heiliger Geist. Ich versuchte es vergeblich zu erklären, denn es scheiterte bereits an Mohammeds Gottesbild, das keine drei Personen zuließ. Allerheiligste Dreieinigkeit, schenke uns deine Gnade, Weisheit, Erkenntnis und Einsicht, um das Geheimnis deines Wesens empfangen zu können.
In unseren Gesprächen ging es meistens um Gott, insbesondere um Jesus und Sein zweites Kommen. Zumindest da waren wir uns einig. Wir hofften auf Jesu Kommen, denn dann würden alle Menschen sehen, was die Wahrheit ist. Aus christlicher Perspektive würde dann jedes Auge erkennen, wer die Wahrheit ist.
Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die
ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und
klagen. Ja, amen.
Offenbarung 1:7
Mohammeds Bild von Jesus hatte sich im Laufe der Diskussionen und auch nach den vielen Messgängen nicht geändert. Vor allem unsere Vorstellungen vom endzeitlichen Gericht waren sehr verschieden. Wir gingen sogar gemeinsam das ganze Buch der Offenbarung durch, aber ich glaube, er war zu sehr damit beschäftigt mich von meinem Weg abzubringen als selbst einen neuen Weg in Erwägung zu ziehen. Natürlich trifft das auch auf mich zu. So ist das, wenn jeder denkt, er habe die Wahrheit. Aber die Wahrheit lässt sich nicht besitzen, denn sie ist eine Person. Herr, Jesus, hab Erbarmen mit uns. Du kannst aus allem etwas Gutes machen. Führe uns zu dir, gütiger Gott.
Einziges Ziel: Sinai
Mohammed organisierte für mich die Reise nach Sinai. Dies stellte sich komplizierter heraus, als gedacht. Es gab zu der Zeit ein erhöhtes Risiko für Bombenanschläge an der nördlichen Grenze Ägyptens aufgrund des Nahost-Konflikts, wodurch die Reiseorganisatoren immer wieder die Zeiten änderten oder Touren absagten. Ich bestand dennoch darauf, einen Weg nach Sinai zu finden. Das war schließlich der einzige Grund, warum ich noch nicht im Flieger nach Hause saß. Nach langem hin und her teilte mir Mohammed den Tag unserer Abreise zum Katharinenkloster mit.
Menschliche Götter und göttliche Menschen
Wir fuhren zuerst einige Stunden von Alexandria nach Kairo. Ein kurzer touristischer Stopp bei den Pyramiden von Gizeh und der Sphinx mit abgebrochener Nase ließ ich mir nicht entgehen, da der Anschluss nach Sinai erst in der Nacht war. Ich besuchte auch den Ort, wo Jesus, Maria und Josef drei Monate übernachteten, als sie aus Palästina nach Ägypten flohen, um der Hand des Herodes zu entkommen. An diesem Ort stand nun eine Kirche. Wegen einer bedrohlichen Konfrontation mit einem Polizisten/ Kontrolleur am Kircheingang besaß ich letztendlich weder die Möglichkeit noch die Verfassung lange an diesem bedeutsamen Ort zu verweilen. Ich machte schnell ein paar Fotos und sprach ein kurzes Gebet. Und weiter gings.
Gewollte und unerwünschte Zwischenstopps
Der Weg zum zentralen Bahnhof für den Fernbus nach Sinai erlebte ich als hektisch und unfriedlich. In der Metro redeten von allen Seiten Menschen auf Arabisch wie Raketen auf mich ein, sodass wir frühzeitig die Metro verließen und ein Taxi suchten. Der Taxifahrer schien sich nicht gut auszukennen und verpasste ständig die Abbiegung, sodass Mohammed entschied mitten auf einer breiten, vielbefahrenen Hauptstraße auszusteigen. Da kam der Taxifahrer hinterher und Sekunden später hielt ein kleiner ÖV-Bus an. Männer, scheinbar verwandt mit dem Taxifahrer, stiegen aus und stürmten auf Mohammed zu. Ich stand an der Seite der Straße, betete inständig, dass nichts Schlimmes passiert und erinnerte Gott an Sein Versprechen. Da sah ich eine Frau im ÖV-Bus, die mich auch ansah.
Alexandria, Kairo... Sinai!
Die hitzige Situation löste sich auf und wir fanden ein Lokal, um etwas zu essen und uns zu beruhigen. Mohammed schlug vor, dass wir aufgeben und die Reise nach Sinai absagen sollten, aber ich wollte jetzt erst recht dorthin, koste es was es wolle. Gott gab mir Sein Wort, also wird Er es halten. Diese Angstmacherei, wie sie mir vorkam, schockierte mich nicht sehr lange, weil ich keine andere Lösung sah, wieder mit Gott Frieden zu schließen und den Bund mit ihm zu erneuern, als zum geplanten Ziel zu pilgern. Danke, Gott, dass du mich auf deinem Weg nicht wanken ließest. Es stand fest, wir würden noch diese Nacht nach Sinai fahren.
Eine Oase des Friedens inmitten feindlichen Gebiets
Gepriesen bist Du, Herr, weil das Heil uns näher ist, als zu der Zeit da wir gläubig wurden. Lass uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. Die Nacht ist vorgerrückt, der Tag ist nahe. Der Messias kommt, unser König, den Johannes der Täufer angekündigt hat: Seht das Lamm Gottes!
Freuen wir uns am Herrn! Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt seine Weisung, aus Jerusalem sein Wort. Er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern. Man wird nicht mehr das Schwert erheben Volk gegen Volk.
Herr, Jesus Christus, wir erwarten Dich sehnlichst als unseren Retter. Du wirst unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt deines verherrlichten Leibes! Das verlorene Schaf wirst Du suchen, das Verletzte verbinden und das Schwache stärken. Du wirst es in Gerechtigkeit weiden lassen. Du bist es, der uns standhaft macht bis zum Ende.
Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen! Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor! Seht, die Jungfrau wird ein Kind gebären. Man nennt ihn Emmanuel, Gott mit uns. Er ist der Fürst des Friedens, der aus dem Schoß des Vaters hervorgegangen ist. Er besucht uns in seiner großen Barmherzigkeit. Halleluja! Halleluja! Halleluja! Warten wir mit Geduld auf die kostbare Frucht der Erde, denn Sein Kommen ist nahe! Halleluja! Halleluja! Halleluja!
Auszug aus den Lobpreisungen zum Advent (Gemeinschaft der Seligpreisungen)
Frieden tanken vor dem Katharinenkloster, Sinai
Weiter auf der Suche nach dem König, dem Retter der Welt
I come in simplicity
Longing for purity
To worship You
In spirit and truth
Only You
Lord strip it all away
'Til only You remain
I'm coming back
To my first love
Only You
You're the reason I sing
The reason I sing
Yes my heart will sing
How I love You
And forever I'll sing
Forever I'll sing
Yes my heart will sing
How I love You
I come with my broken song
To You the Perfect One
To worship You
In spirit and truth
Only You
Only You
Give me a childlike heart
Lead me to where You are
Cause I'm coming back
To my first love
Only You
My first love
How I love You
How I love You
How I love You
My first love